Grundschuldzinsen in der Zwangsversteigerung

Welche Summe kann der Gläubiger einer mit 18 % verzinslichen Grundschuld in einem Zwangsversteigerungsverfahren mit dem Rang der Grundschuld geltend machen?

Der Gläubiger einer mit 18 % verzinslichen Grundschuld kann in einem Zwangsversteigerungsverfahren mit dem Rang der Grundschuld ungefähr das Doppelte des Grundschuldkapitals geltend machen.

In der Zwangsversteigerung können laufende Zinsen sowie die rückständigen Zinsen der letzten zwei Jahre mit dem Rang der Grundschuld geltend gemacht werden (§ 10 Abs. 1 Nr. 4 ZVG). Zu den laufenden Zinsen gehören nicht nur die während der laufenden Zinsperiode anfallenden Zinsen, sondern auch die letzten vor der Beschlagnahme fällig gewordenen sowie alle danach noch fällig werdenden Zinsen (§ 13 Abs. 1 ZVG).

Siehe auch Grundschuldzinsen.

Fälle zu Grundschuldzinsen in der Zwangsversteigerung

Die Problematik der Grundschuldzinsen in der Zwangsversteigerung erörtert Rechtsanwalt Dr. Clemente in seinem Handbuch über das Recht der Sicherungsgrundschuld u.a. anhand folgendes Falles:

Fall  67: Am Grundstück des E sind folgende Grundschulden eingetragen:
III/1     Grundschuld zugunsten der S-Sparkasse,
verzinslich mit 18 % Zinsen seit 18.8.2001            100 000 Euro
III/2     Grundschuld zugunsten der B-Bank,                                            
verzinslich mit 16 % Zinsen seit 20.2.2002              50 000 Euro   

Die B-Bank betreibt die Zwangsversteigerung. Die S-Sparkasse tritt dem Verfahren nicht bei. Ihre Grundschuld zu 100 000 Euro bleibt bestehen. Die laufenden Zinsen des Rechts der S-Sparkasse für die Zeit vom 1.1.2004 bis 14.12.2007 betragen 71 200 Euro, die für zwei Jahre rückständigen Zinsen vom 1.1.2002 bis 31.12.2003 betragen 36 000 Euro. Zur Verteilung auf die beiden Grundschulden steht ein Versteigerungserlös von 107 200 Euro an. Variante a: Sowohl die in Abt. III unter Nr. 1 eingetragene Grundschuld der S-Sparkasse als auch die der B-Bank sichern Forde rungen gegen E. Variante b: Nur die Grundschuld der S-Sparkasse sichert Forderungen gegen E. Die zugunsten der B-Bank eingetragene Grund schuld sichert fremde Verbindlichkeiten, nämlich Verbindlichkeiten des S.   

Fall 87: Im Grundbuch sind folgende Grundpfandrechte eingetragen:

Abt. III/1    Grundschuld für die A-Bank mit 16 % Zinsen       50.000 Euro 
Abt. III/2    Grundschuld für die B-Bank mit 18 % Zinsen     100.000 Euro 
Abt. III/3    Grundschuld für die C-Bank mit 18 % Zinsen  1.000.000 Euro

Recht der
Sicherungsgrundschuld

Recht der Sicherungsgrundschuld

von
Dr. Clemens Clemente, Rechtsanwalt,

4. neu bearb. Aufl., 2008,
RWS Verlag GmbH, Köln,

512 Seiten, geb., 69,00 €
ISBN 978-3-8145-8129-3

Aus der Fachpresse:*

„ Es macht die komplizierte Materie verständlich, ohne das zu vereinfachen, was seinem Gegenstand nach schwierig ist. “

* Notar
Dr. Dieckmann in: BWNotZ 2/2009

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